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Südwest Presse: LEITARTIKEL: Doping Tour der Leiden

Ulm (ots) - Sie hat mächtig Staub aufgewirbelt, diese Tour de
France 2007. Und es war kein Feinstaub, sondern richtig massiver
Dreck. Liebevoll, andächtig wurde das Radsportspektakel in Frankreich
oft als Tour der Leiden bezeichnet und von nicht wenigen Dichtern als
solche besungen. Diesmal wurde daraus eine Tour der Leiden ganz
anderer Art. Nicht nur die Fahrer litten, wenn sie ihre
Leistungsgrenzen erreichten, es litten die Fans, die Funktionäre, die
Sponsoren, ja sogar die Politiker an einem auch von Skeptikern nicht
möglich gehaltenen Gemisch aus Lügen, Betrug, Scheinheiligkeit,
Bunkermentalität, Egoismus und Erpressung. Diese Tour war eine
einzige Skandal- oder Kriminalgeschichte.
Nun ist die Tour nicht der ganze Radsport, aber sie repräsentiert ihn
als seine Königsdisziplin. Radfahren selbst ist auch nicht die
Sportart Nummer eins in der Welt, aber vor allem durch die Menge der
Hobbyradfahrer in einem besonderen Fokus. Mag vor allem der
Profiradsport mit seiner extremen kommerziellen Verwebung anfällig
für Betrügereien aller Art sein, so ist es dem Sport als ganzem doch
nicht erlaubt, sich davon zu distanzieren. Es ist zu offensichtlich,
dass auch in anderen Sparten nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
Diese Tour de France 2007 muss der Anlass sein, mit einem
entschlossenen Groß-Reinemachen über alle Disziplinen hinweg zu
beginnen. Sonst könnte der Tag kommen, an dem sich Eltern besorgt die
Frage stellen, ob sie ihre Kinder noch in die Sportvereine schicken
können.
Die bisherigen Reaktionen sind da eher hilflos, in Teilen vielleicht
auch geprägt von Schuldbewusstsein, von denen, die zu lange die Augen
fest geschlossen hielten. Zu nennen sind der Ausstieg von ARD und ZDF
aus der Live-Berichterstattung über die Tour, die Diskussion in
Stuttgart, ob die Weltmeisterschaft dort ausgerichtet werden soll,
die Forderung von Politikern nach härteren Gesetzen oder nach dem
Einstellen der Sportförderung sowie diverse Rückzugsankündigungen von
Sponsoren.
All dies ist bloßer Aktionismus. Nichts davon ist geeignet, das
Problem wirklich anzupacken. Wenn es den Sponsoren um mehr als reine
Werbung geht, sollten sie einen Bruchteil der Mittel in die
Anti-Doping-Arbeit stecken und vor allem den Verbänden oder Ländern
die kalte Schulter zeigen, die da nicht mitspielen. Eine WM-Absage
mag Zeichen setzen, aber wem nützt sie wirklich? Politiker, die
Kürzungen der Sportmittel anregen, wissen nicht, wovon sie reden,
denn darunter leiden die Basis und die Jugend am meisten. Dabei darf
nicht vergessen werden, dass die Politik in Deutschland - übrigens
gegen den Widerstand der CSU, die für mehr Härte plädierte - gerade
ein Anti-Doping-Gesetz verabschiedet hat, bei dem sie sich mit einem
windelweichen Kompromiss den Berufs-Beschwichtigern aus der
Sport-Führung beugte.
Der Tour-Skandal hat immerhin bewirkt, dass nun deutlich offener über
den Gesamtkomplex des Sportbetrugs diskutiert wird. Es muss alles
daran gesetzt werden, dass die Doping-Mentalität in den Köpfen von
Athleten, Trainern und Ärzten getilgt wird. Dies mag einige Zeit
dauern, weil erst eine neue Generation dies auch glaubhaft vertreten
kann. So lange muss jeder Sieger oder Träger eines Gelben Trikots mit
Verdächtigungen leben. Womöglich ist er unschuldig, aber womöglich
ist er auch durch langes Schweigen immerhin mit Schuld an den
Zweifeln.






Originaltext: Südwest Presse
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=59110
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Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Tele



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