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LVZ: Die Leipziger Volkszeitung zu Tour de France/Doping -
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Leipzig (ots) - Von Winfried Wächter. Die Fernseh-Bilder der hohen Berge und tiefen Täler waren wieder erstklassig, die Leistungen der Tourfahrer nahezu atemberaubend. Linus Gerdemanns Husarenritt ins Gelbe Trikot am Sonnabend und seine überzeugenden Erklärungen wirkten wie ein Signal an alle Zweifler:Es lohnt sich, auf einen sauberen Radsport, auf eine saubere Tour zu hoffen. Doch gestern folgte der Tiefschlag, als die positive A-Probe von Patrik Sinkewitz bekannt wurde. Noch sind die Auswirkungen nicht absehrbar. Selbst die Existenz des T-Mobile-Teams steht auf dem Spiel. Kein Sponsor, der im konkreten Fall außerdem genügend andere Probleme hat, will auf Dauer mit solchen Manipulationen in Verbindung gebracht werden. Imagefördernd ist eine solche Beziehung keineswegs. Was immer Sinkewitz veranlasst haben mag, sich mit einem verbotenen Mittel auf die Tour vorzubereiten, er entzog allen Beteuerungen seines Arbeitgebers von einem neuen Kurs die Grundlage.Etwa zwei Wochen, bevor er getestet wurde, hatten Erik Zabel und Rolf Aldag ihre Verfehlungen gestanden, die Teamärzte folgten nur wenig später. Die Lawine rollte, seit gestern hat sie wieder ihre volle Wucht erreicht. So lange solche Fälle auftreten, so lange muss darüber nachgedacht werden, ob und wie über sportliche Wettkämpfe, die unter massivem Manipulationsverdacht stehen, berichtet wird. Warum wird jetzt von ARD und ZDF die Übertragung der Tour de France abgebrochen, die Leichtathletik-WM Ende August oder die Olympischen Spiele 2008 aber in jedem Fall ins Programm aufgenommen? Lügen die Bilder vom 100-Meter-Sprint in Osaka oder aus dem Schwimmbecken von Peking weniger als beim Anstieg zum Col de la Colombiere? Die Absage der Öffentlich-Rechtlichen erscheint zwar konsequent, doch das Problem ist grundsätzlicher, als es auf den Radsport zu beschränken. Die mit Gebühren finanzierten Fernseh-Anstalten sind nicht allein in der Pflicht, diese Diskussion zu führen. Alle Medien werden sich die Frage stellen müssen, wie sie mit dem Widerspruch zwischen Schein und Sein umgehen. Ob sie sich, zugespitzt formuliert, für die Huldigung der Sieger oder für die Aufdeckung ihrer Verfehlungen entscheiden. Letzteres ist weitaus mühevoller, mit größerem Aufwand verbunden und nicht immer angenehm. Überbringer schlechter Nachrichten gelten nach wie vor oft als die eigentlichen Übeltäter. Bei Unschlüssigkeit das Ereignis mit Missachtung zu strafen, tut wiederum jenen Unrecht, die sich an die Regeln halten. Einigkeit ist in diesem Fall kaum zu erwarten. Eurosport zum Beispiel bleibt ausführlich auf Sendung und setzt sich damit dem Vorwurf aus, aus dieser tiefen Glaubwürdigkeitskrise mit einer höheren Einschaltquote und größeren Werbeeinnahmen noch zu profitieren. Doch nicht nur die Medien müssen sich besinnen, auch der Profi-Sport selbst muss sich hinterfragen, welche Werte er verkörpern will. Seine Bedeutung ist überhöht worden, weil viel Geld fließt und sowohl seine Protagonisten als auch ganze Industrien gut daran verdienen - auch im Fall von Patrik Sinkewitz die Wurzel allen Übels.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Pressekontakt: Rückfragen bitte an: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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