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LVZ: zu Fan-Kongress/DFB Risikofaktor Fan

Leipzig (ots) - Von Winfried Wächter
Sie prügeln sich untereinander und mit der Polizei, hinterlassen ein
fürchterliches Chaos und fallen auch noch mit ausländerfeindlichen
und rechtsradikalen Parolen auf. Fußball-Fans sind eine Gefahr für
die Allgemeinheit, müssen daher unter dem erheblichen Einsatz
öffentlicher Mittel bewacht werden. Sie sind also alle Rabauken,
verursachen jede Menge Kosten und stören auf der ganzen Linie.
So weit die Vorurteile, die der brave Bürger gerne fällt, wenn er
auch nur in die Nähe eines Fußball-Stadions kommt. Er fühlt sich in
seiner Meinung bestärkt, sobald er wieder von schweren
Ausschreitungen hört. Manche Politiker und auch einige
Fußball-Funktionäre sprechen ihm aus der Seele, wenn reflexartig
härteres Vorgehen gefordert wird. Das Feindbild steht, doch es ändert
an der angespannten Situation nichts. Der erste bundesweite
Fan-Kongress am Wochenende in der Universität Leipzig will dagegen
ankämpfen, mit Missverständnissen aufräumen und auf Dialog setzen.
Die Zeichen auf positive Ergebnisse sind schon deshalb
verheißungsvoll, weil Vertreter aller Gruppierungen am Tisch sitzen.
Miteinander reden ist immer besser als übereinander reden. Nur so
können Vorurteile abgebaut werden. Der Deutsche Fußball-Bund hat die
Fans lange als Risikofaktor angesehen und entsprechend behandelt.
Diese wiederum betrachteten den Verband als ein elitäres und
abgehobenes Gremium. Dass Präsident Theo Zwanziger selbst teilnimmt,
lässt darauf schließen, wie ernst es dem DFB mit dem Thema ist. Das
muss es ihm auch sein, denn die Situation hat sich in den letzten
Monaten zugespitzt. Vor allem durch die schweren Krawalle am 10.
Februar im Tagungsort Leipzig. Die friedliche Stimmung der vier
WM-Wochen im Vorjahr war schnell vorbei. Der Alltag sieht anders aus.
Besonders in unteren Spielklassen, wo unter den Fans durch Frust über
die bescheidene Situation ihres Vereins gepaart mit privaten Sorgen
zum Teil eine gefährliche Mischung entsteht.
Fans lassen sich in der Gemeinschaft und in der Anonymität der Masse
zu Handlungen hinreißen, die sie im "normalen" Leben nie begehen
würden - im Positiven wie im Negativen. Originelle Choreografien auf
der einen, aggressives Verhalten auf der anderen Seite sind dafür
Belege. Bekundungen gegen die Obrigkeit haben auf den Rängen eine
große Tradition, Politiker und Funktionäre werden mit Vorliebe
gnadenlos ausgepfiffen. Der Zeitgeist spielt dabei eine wichtige
Rolle. "Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher" hört sich heute wie
eine fürchterlich ausländerfeindliche Parole an. Dabei wurde sie
einst von den Fans der BSGChemie Leipzig skandiert, um die
Staatsführung zu ärgern, die Abgrenzung forderte, daher von
DDR-Bürgern und nicht von Deutschen sprach. Im Stadion folgte die
Antwort auf diesen Unsinn. Solche Reaktionen machen Fans so wertvoll.






Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351
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Rückfragen bitte an:
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Telefon: 0341/218 11558



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